VDA Symposium 2016

VDA Symposium 2./3. Juli 2016

Das Symposium zum Thema «Astrologie und Astronomie – wie ist der Zusammenhang?» hat die Erwartungen der Organisatoren voll erfüllt. Die Referate haben alle wichtige Impulse zum Thema eingebracht, was in den folgenden lebhaften Diskussionen aufgegriffen wurde.  

Das Eingangsreferat von Dieter Koch griff die Geschichte der Sterndeutung von der Frühzeit bis heute auf.  Er zeigte die frühen Formen der Astrologie mit den Astralreligionen und den Ritual-Kalendern auf, die später zur babylonischen Staatsastrologie und danach zur individuellen Geburtshoroskopie führten. 


Dieter Koch

Interessant im Zusammenhang mit dem Thema des Symposiums war, das die Babylonier die Horoskope aufgrund der direkten Beobachtung erstellten, während in der folgenden griechischen Epoche dies mehrheitlich berechnet wurde. Raphael Gil Brand erläuterte die Hintergründe zum siderischen und tropischen Tierkreis. Beides sind symbolische Tierkreise mit gleichmässiger Zwölfteilung, aber unterschiedlichem Nullpunkt.


Rafael Gil Brand

Auch wenn heute in der westlichen Astrologie fast ausnahmslos der tropische Tierkreis verwendet wird, zeigte er an Beispielen auf, dass auch nach Ptolemäus noch oft der siderische Tierkreis im Westen benutzt wurde. Das Referat von Rolf Baltensperger ging auf mögliche Regeln zur Etablierung neuer Horoskopfaktoren ein. Seit der Erfindung vom Teleskop konnten viele neue Himmelskörper in unserem Sonnensystem entdeckt werden. Es kann aber keine Systematik ausgemacht werden, weshalb Chiron von vielen Astrologen verwendet wird, während die viel früher entdeckte und wesentlich grössere Ceres keine Beachtung findet.


Rolf Baltensperger

Im zweiten Teil des Vortrages sind direkte astronomische Konjunktions-Beobachtungen mit dem Abbild im Horoskop verglichen worden. Oft unerwartete Differenzen entstehen durch die im Horoskop verwendeten ekliptikalen Positionen, welche die räumliche Dimension nicht berücksichtigen und am Beispiel Eris eklatant zu Tage treten. Die folgende Publikumsdiskussion zu einer möglichen verbesserten Horoskoptechnik nahm unter anderem die Berechnung der wahren Aspekte auf, wie sie bereits bei der Astrokartografie verwendet wird. Dabei wird die dritte Dimension berücksichtigt und eine Konjunktion stimmt mit der direkten Beobachtung überein. Sebastian Voltmer brachte uns die Entwicklungen in der Astronomie näher, die auch mit der historischen Verlagerung des Weltzentrums verbunden ist.


Sebastian Voltmer

Aktuelle Themen in der Astronomie sind die dunkle Materie und die dunkle Energie, die mit bisherigen physikalischen Methoden nicht erkannt werden können. Insgesamt kann die Wissenschaft zurzeit nur 5 % der im Universum vorhandenen Materie und Energie erklären, erstaunliche 95 % entziehen sich den bekannten Erklärungsmodellen und können nicht erfasst werden. Interessant war auch die neue Erkenntnis mit den Gravitationswellen, dass diese um Himmelskörper eine Art Haarstruktur aufweisen. Die anschliessende Publikumsdiskussion drehte sich um aktuelle Themen zur Astrologie in der Gesellschaft. Während die vereinfachende Trivialastrologie populär und in den Medien sehr präsent ist, kann sich die fundierte Fachastrologie wenig Gehör verschaffen. In etlichen Bereichen wie der Wissenschaft, der Wirtschaft oder staatlichen Organisationen ist es kritisch, wenn man sich öffentlich zur Anwendung der Astrologie bekennt. Es wurde aber auch festgestellt, dass Wissensträger aus diesen Gebieten sich eher neutral verhalten, während mehr Laien als vehemente Kritiker auftreten. Weiter wurde ausgesagt, dass die jüngere Generation viel weniger ideologisch mit der Astrologie umgeht und diese eher anwendet, wenn die Nützlichkeit erkannt wurde. Das letzte Referat zum Wirkzusammenhang Astronomie – Astrologie hielt Dieter Koch und er zeigte die Erklärungsansätze von der Antike bis zur Gegenwart auf. Bei den Babyloniern wurden Omen gedeutet und nebst Himmelskörpern auch ein Halo des Mondes oder der Sonne miteinbezogen. Zur Natur dieses Wirkzusammenhanges äusserten sich später u.a. auch Aristoteles, Plotin und Thomas von Aquin. In der Neuzeit wird in der westlichen Astrologie die Synchronizität nach C.G. Jung favorisiert. In der anschliessenden Publikumsdiskussion zum Thema trat als Konsens hervor, dass wir eigentlich nicht wissen, worin der Zusammenhang besteht, diesen aber immer wieder in Evidenzerlebnissen feststellen können. Insofern besteht eine Parallele zu vielen Grundlagen der Physik wie zum Beispiel der Gravitation, die zwar immer wieder festgestellt werden kann, aber letztendlich nicht im wissenschaftlichen Sinne bewiesen werden kann.


Referenten und Organisatoren des VDA Symposiums 2016:

Referenten und Organisatoren des VDA Symposiums 2016
v.l.n.r: Dieter Koch, Rafael Gil Brand, Sebastian Voltmer, Heidi Treier, Rolf Baltensperger

Die VDA Symposien haben zum Ziel, den Diskurs in der Astrologie zu fördern und öffentlich verfügbar zu machen. Zu aktuellen oder die Grundlagen betreffenden Themen soll eine fachliche Auseinandersetzung mit Referaten und folgenden Diskussionen mit den Teilnehmern stattfinden. Die wesentlichen Ergebnisse werden publiziert und sollen im Internet gut auffindbar sein.

Die Publikationen zum VDA Symposiums 2016 (Audioaufzeichnungen und weitere Materialien) sind hier verfügbar: VDA Symposium 2016 Media